24.07.2026

Kritische Warnung an SharePoint-Nutzer: Sicherheitslücke wird aktiv angegriffen

 

In Microsoft SharePoint Server wurde eine schwerwiegende Sicherheitslücke identifiziert, die es Angreifern ermöglicht, mit vergleichsweise geringem Aufwand die Kontrolle über einen Server zu übernehmen. 

 

Seit wenigen Tagen ist ein entsprechender Angriffscode öffentlich verfügbar, und Sicherheitsforscher verzeichnen bereits aktive Angriffswellen. 

Bitte beachten Sie: Ein nachträgliches Einspielen des Updates allein genügt in diesem Fall nicht – betroffene Unternehmen sollten kurzfristig handeln. 

Was ist passiert?

Die Sicherheitslücke trägt die Kennung CVE-2026-50522. Über sie können Angreifer aus der Ferne Schadcode auf einem SharePoint-Server ausführen. Im schlimmsten Fall genügt dafür eine einzelne präparierte Anfrage über das Internet, ganz ohne Benutzerkonto oder Anmeldung.

Microsoft hat die Lücke bereits am 14. Juli 2026 mit einem Sicherheitsupdate geschlossen. Seit dem 20. Juli ist jedoch ein fertiger Angriffscode öffentlich verfügbar, und Sicherheitsforscher beobachten seither aktive Angriffsversuche auf ungepatchte Server.

Besonders wichtig: Die Angreifer versuchen dabei, sogenannte Machine Keys zu erbeuten, digitale Schlüssel, mit denen sie sich auch nach einem späteren Update dauerhaft Zugriff auf den Server verschaffen können. Das Einspielen des Updates allein reicht deshalb nicht aus, um bereits betroffene Server wieder abzusichern.

Wie funktioniert der Angriff?

Der Angriff richtet sich gezielt gegen die Anmeldefunktion von SharePoint-Servern, die aus dem Internet erreichbar sind. Dabei senden die Angreifer eine speziell präparierte Anfrage an den Server, die dieser fehlerhaft verarbeitet, wodurch eingeschleuster Code zur Ausführung kommt. Ist dieser erste Schritt erfolgreich, greifen die Angreifer in einem zweiten Schritt die Machine Keys des Servers ab und sichern sich damit einen dauerhaften Zugang, der auch ein späteres Update übersteht. Da für diesen Ablauf keine Benutzeranmeldung erforderlich ist, sind grundsätzlich alle aus dem Internet erreichbaren, ungepatchten Server gefährdet. 

Was ist betroffen?

Die Lücke betrifft ausschließlich selbst betriebene („On-Premises“) SharePoint-Server:

  • SharePoint Enterprise Server 2016
  • SharePoint Server 2019
  • SharePoint Server Subscription Edition

 

Nicht betroffen ist SharePoint Online (die Cloud-Variante innerhalb von Microsoft 365). 

Wie kann ich mich schützen?

Wir empfehlen Unternehmen, die die betroffenen Versionen einsetzen, folgende Maßnahmen:

  1. Sicherheitsupdate einspielen. Stellen Sie sicher, dass das Update vom 14. Juli 2026 auf allen Servern Ihrer SharePoint-Umgebungen installiert ist, nicht nur auf dem Server, der von außen erreichbar ist. Betreiben Sie mehrere SharePoint-Server im Verbund („Farm“), muss jeder einzelne aktualisiert werden, sonst bleibt die Lücke über die ungepatchten Server bestehen.
  2. Zugangsschlüssel (Machine Keys) erneuern. Diese Schlüssel werden von SharePoint zur Absicherung von Sitzungen genutzt. Wurden sie vor dem Patchen bereits entwendet, bleiben sie auch nach dem Update gültig und erlauben weiterhin Zugriff. Ihr IT-Dienstleister oder Ihre IT-Abteilung kann diese Schlüssel über die SharePoint-Zentraladministration bzw. PowerShell neu erzeugen und verteilen. Fragen Sie im Zweifel gezielt danach, ob dieser Schritt bereits erfolgt ist – er wird beim Patchen leicht übersehen.
  3. Zugriff von außen einschränken. Solange das Update noch nicht auf allen Servern eingespielt ist, sollte der Zugriff auf die SharePoint-Anmeldeseiten von außen möglichst eingeschränkt werden, etwa über die Firewall oder ein VPN, sodass nur bekannte, vertrauenswürdige Adressen zugreifen können.
  4. Auffälligkeiten prüfen lassen. Lassen Sie durch Ihren IT-Dienstleister oder Ihre IT-Abteilung die Zugriffsprotokolle (Logs) der SharePoint-Server auf den Zeitraum ab dem 17. Juli 2026 kontrollieren. Achten Sie dabei besonders auf: ungewöhnlich viele oder ungewöhnlich geformte Anmeldeanfragen, Anmeldeversuche von unbekannten oder ausländischen IP-Adressen außerhalb der üblichen Nutzungszeiten, sowie neu angelegte Benutzerkonten oder administrative Zugriffe, die niemand im Team veranlasst hat. Auch ein Abgleich mit den Herstellerhinweisen zu bekannten Angriffsmerkmalen (Indicators of Compromise) durch einen IT-Sicherheitsdienstleister ist sinnvoll, falls Sie selbst unsicher sind, wonach genau zu suchen ist.

Fazit

CVE-2026-50522 zeigt exemplarisch, wie schnell aus einer geschlossenen Lücke wieder ein akutes Risiko werden kann: Ein verfügbarer Patch schützt nur, wenn er auch flächendeckend eingespielt wird – und selbst dann bleibt das Risiko bestehen, dass Zugangsschlüssel bereits vor dem Update entwendet wurden.

Gerade für KMU ohne große eigene IT-Sicherheitsabteilung ist deshalb eine klare Priorität wichtig: Update einspielen, Machine Keys rotieren, Zugriffe von außen einschränken und die eigenen Systeme auf Auffälligkeiten prüfen lassen. Wer diese Schritte jetzt umsetzt, schließt nicht nur die aktuelle Lücke, sondern reduziert auch das Risiko, in den kommenden Wochen von Nachfolgeangriffen betroffen zu sein – SharePoint-Server stehen aktuell verstärkt im Visier von Angreifern.

Bei Fragen zur Umsetzung stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Ihr Perseus-Team

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Quellen & weiterführende Informationen